Peter Lynch: Leben und Anlagestrategie

Peter Lynch der ehemalige Manager des Magellan Funds

Peter Lynch ist einer der erfolgreichsten Investoren aller Zeiten und in einem Atemzug mit legendären Investoren wie Warren Buffett, Benjamin Graham oder Gorge Sorros zu nennen. Über 13 Jahre erzielte er mit dem Magellan Fund eine Rendite von 29,2%. Hättest du demnach 1.000 EUR zu Beginn in seinen Fund investiert, wären daraus 28.000 EUR geworden. In diesem Artikel erfährst du mehr über sein Leben, seine Anlagephilosophie und was du von ihm lernen kannst.

Peter Lynch: Biografie & Karriere

Kindheit & Ausbildung

Peter Lynch wurde 1944 in Boston geboren. Bereits als kleiner Junge hatte er durch seine Tätigkeit als Golf-Caddy Kontakte zur Finanzbranche. In diesem Rahmen betreute er unter anderem den damaligen Präsidenten der Fund Gesellschaft Fidelity, der ihm sein erstes Praktikum bei Fidelity vermittelte. Dort arbeitete er als Analyst für die Chemie, Papier und Druckindustrie. Ein direkter Einstieg bei Fidelity war für ihn damals aber nicht möglich, da er zuvor noch seine Wehrpflicht absolvieren musste.

Interessant zu erwähnen ist, dass Lynch fast sein gesamtes Studium an der Wharton School durch eine hochspekulative Aktienwette finanzierte. Nach eigenen Angaben hatte dies aber mehr mit Glück als Verstand zu tun.

Magellan Fund & Fidelity

1969 nach seinem Wehrdienst erhielt Peter Lynch eine Festanstellung bei Fidelity. Dort arbeitete er anfangs als Analyst für die Textil-, Metall- und Chemiebranche. Im Jahr 1977 wurde er dann Fund Manager des damals 18 Mio. schweren Magellan Funds. Trotz der Empfehlung seines Vorgesetzten die Anzahl an Aktien im Fund zu reduzieren erhöhte er diese bis auf über 3000. Bei Fidelity gab es zu dieser Zeit deshalb den Witz, dass Peter Lynch noch nie eine schlechte Aktie gesehen hätte.

Lynch zeichnete sich in seinem Job besonders durch harte Arbeit aus. So war er im Gegensatz zu vielen anderen Fund Managern fast immer am Samstag im Büro. Nach Angeben von Mitarbeitern war er einmal so stark in seine Arbeit vertieft, dass er sogar die Hochzeit eines guten Freundes und Kollegen verpasste. Als er diesen einige Tage später fragte, woher denn die ganzen Geschenke auf seinem Tisch kämmen, meinte dieser das er geheiratet habe und Lynch eingeladen war.

Peter Lynch war in seiner Zeit beim Magellan Fund auch der Mentor des bekannten deutschen Hedge Fund Managers Florian Homm.

Performance des Magellan Funds & Karriereende

Während seiner 13 Jahre als Manager des Magellan Funds, von 1977 bis 1990, erzielte er eine jährliche kumulierte Rendite von 29.2%. Dabei übertraf er den S&P 500 Index in 11 von 13 Jahren. Als er den Magellan Fund übernahm, hatte dieser ein bescheidenes Vermögen von gerade einmal 18 Millionen USD. Doch in den 13 Jahren seiner Tätigkeit stieg das Volumen des Funds auf über 14 Mrd. USD an. Lynch machte den Magellan Fund in dieser Zeit zum besten Investment Fund der Welt.

Peter Lynch ging 1990 in den Ruhestand und war von da an verstärkt als Philanthrop tätig. Er gründete die Lynch Stiftung, welche Unterstützung in den Bereichen Bildung, religiöse Organisationen, Krankenhäuser, Medizin sowie verschiedenen kulturellen und historischen Organisationen leistet. Zusätzlich setzte er sich für spenden im Rahmen des Fidelity Charitable Gift Fund ein. Nach seinem Abgang beim Magellan Fund war Peter Lynch noch weiter als Berater für Fidelity tätig.

Peter Lynch: Investmentphilosophie

Peter Lynch vertrat die Überzeugung, dass Privatanleger gegenüber institutionellen Investoren einen Vorteil haben. Grund dafür ist, dass Privatanleger mehr Erfahrung im Umgang mit unterschiedlichen Unternehmen haben, beispielsweise durch ihren Beruf oder Erfahrungen im alltäglichen Leben. Ebenso haben sie in ihren Investmententscheidungen mehr Freiräume, weil Sie sich nicht an regulatorische Vorschriften halten müssen.

Lynch empfiehlt Privatinvestoren deshalb sich im Alltag und Berufsleben genauer umzuschauen und nach Produkten Ausschau zu halten, die ihnen gefallen. Sollte dies der Fall sein kannst du dich als Anleger genauer mit dem Geschäft und den Finanzen des Unternehmens befassen und schlussendlich investieren. Ein berühmtes Beispiel dafür ist der Unterwäschen Hersteller Hanes, in den Lynch investierte, da seiner Frau Carolyn die Unterwäsche gefiel.

Investment Strategie

Peter Lynchs Anlagegrundsätze

- Langweilige Unternehmen

Wie viele andere Value-Investoren war auch Lynch skeptisch bei technologie- oder aufregenden Unternehmen. Grund dafür ist, dass viele dieser Aktien durch Emotionen in die Höhe getrieben werden und überbewertet sind. Daher empfiehlt Lynch nie das „nächste große Dinge“ zu kaufen. Auch der Name des Unternehmens sollte langweilig klingen.

Am besten ist es, wenn der Name einfach aufzeigt, was das Unternehmen tut oder die Namen der Gründer beinhaltet.

- Spinnoffs

Spinnoffs sind abgetrennte Teile eines Mutterkonzernes, die aufgrund von strategischen Überlegungen abgespalten wurden. Dabei erhält jeden Anteilseigner des Mutterkonzernes automatisch Aktien des ausgegliederten Spinnoffs. Diese Unternehmen sind häufig unterbewertet, da Investoren im Normalfall nur das Mutterunternehmen besitzen wollen und viele die Spinnoffanteile verkaufen. Verwechseln solltest du ein Spinnoff aber nicht mit einem Equity Carve Out, wo das Unternehmen per IPO an dem Markt gebracht wird. Hier beschließen Käufer nämlich selbst die Akquisition der neuen Aktien. Diese Strategie wird übrigens auch von Joel Greenblatt in dem Buch „You Can Be a Stock Market Genius“ empfohlen.

- Keine Institutionellen Anleger oder Analysten

Wie eingangs bereits erwähnt, vertritt Peter Lynch die Auffassung, das private Investoren ihre Erfahrungen im Alltag in ihre Anlageentscheidungen einfließen lassen sollten. Wenn du dann noch ein Unternehmen entdeckst, was nicht nur ein großartiges Produkt hat, sondern auch nicht von Institutionellen verfolgt wird, ist dies möglicherweise eine große Chance, die noch nicht entdeckt wurde.

- Schlechte Schlagzeilen

Oft fallen Kurse von Unternehmen durch schlechte Schlagzeilen rapide, diese Gelegenheit kannst du bei großartigen Unternehmen zum Einstieg nutzen. Gute Beispiel hierfür sind Facebook und Volkswagen. Facebook hatte in den letzten Jahren vermehrt schlechte Presse wegen Datenschutzbestimmungen, allerdings hat sich der Aktienkurs trotz kurzfristiger Einbrüche immer sehr schnell wieder erholt. Bei VW war es nach dem Dieselskandal ähnlich.

- Keine Wachstumsbranchen

Unternehmen in Wachstumsbranchen unterliegen oft auch hohen Risiken, wie neuen Wettbewerbern oder stärkerer stattlicher Regulierung. Zudem ist oft nicht sicher welche Unternehmen sich in einem Wachstumsmarkt am Ende durchsetzen werden. Peter Lynch bevorzugt daher schnell wachsende Unternehmen in bereits etablierten Branchen. Ein Beispiel dafür wäre die Hotelkette Holiday Inn, die damals aufgrund ihres besonderen Konzeptes in der Hotelbranche bis zur größten Hotelkette heranwuchs.

- Nischenunternehmen

Ein Unternehmen, das in einer Nische spezialisiert ist, hat im Normalfall einen Burggraben, der das Unternehmen vor neuer Konkurrenz schützt. Das Unternehmen sollte deshalb nicht allzu viele Wettbewerber und einen geringen Kreis an loyalen Kunden im Vergleich zum Gesamtmarkt haben.

- Kaufe was Menschen benötigen

Natürlich kannst du in Luxusunternehmen wie LVMH investieren, aber wer braucht wirklich eine Handtasche über die mehr als 1.000 EUR kostet? Wenn du dagegen in Unternehmen investierst, deren Güter wirklich gebraucht werden hast du zusätzliche Sicherheiten. So würde beispielsweise niemand darauf verzichten Nahrungsmittel zu kaufen, nur weil sich die Welt in einem Konjunkturabschwung befindet.

- Das Unternehmen profitiert von technischen Neuerungen

Viele Investoren sind besonders von Firmen begeistert, die neue Technologien erforschen. Doch hier besteht das Risiko, dass sich die Technologie niemals durchsetzen wird. Vorteilhaft sind deshalb Unternehmen, die von neuen Technologien profitieren, um ihre Erträge zu erhöhen oder Margen zu verbessern.

- Aktienrückkäufe

Lynch ist ein großer Fan von Unternehmen, die ihre eigenen Aktien kaufen. Dadurch verringert sich die Anzahl der Gesamtaktien und Gewinne, sowie Dividenden steigen an. Vorteilhaft ist dies aber nur, wenn die Aktien unterbewertet sind. Andernfalls könnte das Unternehmen das Geld auch aus dem Fenster werfen. Ein positiver Indikator ist es, wenn das Management eines Unternehmens selbst Aktien kauft. Grund dafür ist, dass Insider dir gegenüber einem Wissensvorsprung haben. Sie würden die Aktien des eigenen Unternehmens daher nur kaufen, soweit es im Unternehmen gut läuft. Angaben über Käufe und Verkäufe des Managements kannst du in unterschiedlichen Portalen oder im Geschäftsbericht eines Unternehmens finden, da diese Angaben gesetzlich verpflichtend sind.

Aktienkategorien-nach-Peter-Lynch

Verschiedene Unternehmenskategorien

In der Analyse und Bewertung unterscheidet Peter Lynch zwischen sechs Unterschiedlichen Unternehmenskategorien, die dir folgend erklärt werden:

1.) Unternehmen mit schwachem Wachstum

Langsam wachsende Unternehmen sind im Normalfall sehr groß und in bekannten Indices gelistet, wie dem DAX oder dem Dow Jones. Sie haben ein sehr geringes Wachstum von nicht mehr als drei Prozent oder stagnieren sogar. Für den Kauf solcher Unternehmen gibt es eigentlich nur einen Grund, nämlich eine hohe und stetige Dividende. Aufgrund der geringen Chancen empfiehlt Lynch nicht mehr als zwei Unternehmen dieser Art im Portfolio zu halten.

2.) Aktien mit starkem Wachstum

Schnell wachsende Unternehmen wachsen circa 20-25% im Jahr. Diese Unternehmen müssen aber nicht zwangsläufig auch in einer schnell wachsenden Branche zu finden sein. Nach Lynch sollte der Anteil an schnell wachsenden Unternehmen in deinem Depot nicht mehr als 20% betragen.

3.) Die Unerschütterlichen („Stalwarts“)

Diese Firmen haben ein langfristiges Gewinnwachstum zwischen 10 und 19% und sind besonders durch ihre Marke bekannt. Ähnlich wie langsam wachsende Unternehmen sind marktführende Unternehmen oft große Firmen in ihrer Branche. Im Vergleich zu langsam wachsenden Unternehmen haben sie jedoch eine jährliche Steigerung der Einnahmen. Zudem erleiden sie in Krisen meist keine so extremen Gewinneinbrüche, wie die durchschnittliche Aktie.

4.) Turnarounds

Turnarounds sind Unternehmen, die kein Wachstum bzw. Gewinnrückgänge verbuchen. Bedingt durch schlechtes Management sind die Firmen möglicherweise nicht mehr konkurrenzfähig. Dein Ziel bei Turnarounds besteht darin von der Erholung des Unternehmens nach der Umstrukturierung zu profitieren. Dabei besteht allerdings auch das Risiko eines Verlustes, falls die Firma nicht wieder wettbewerbsfähig wird.

5.) Zyklische Aktien

Zyklische Aktien gehören zu Unternehmen, die über einen Zeitraum von circa 5–8 Jahren hohe Gewinne erwirtschaften, danach aber über einen Zeitraum von 2 bis 3 Jahren Gewinnrückgänge oder Verluste in Kauf nehmen müssen. Während der Depression sinken die Aktienkurse dieser Unternehmen stark und du hast eine gute Kaufgelegenheit. Zyklische Unternehmen sind nach Peter Lynch beispielsweise Firmen aus der Automobilindustrie.

6.) Asset Plays

Asset Plays sind unterbewerte Aktien, bei denen Vermögenswerte in der Bilanz als zu niedrige bewertet werden. Dem Markt ist sich dieser Tatsache allerdings nicht bewusst. Sogenannte Stille Reserven kannst du in der Bilanz vor allem bei Grundstücken oder Gebäuden finden. Unternehmen dieser Art sind besonders interessant für Aktivistische Investoren und Unternehmensplünderer, welche Firmen mit versteckten Vermögenswerten liquidieren, um einen sofortigen Erlös zu erzielen.

Wichtige Kennzahlen nach Peter Lynch

Wichtige für Lynch war besonders das PEG Ratio, das sich aus dem Quotienten des KGV und dem jährlichen Gewinnwachstum ergibt. Dies sollte am besten unter 1 notieren. Unter 0,5 ist dies allerdings noch besser.

Ebenso wie bei vielen anderen Value Investoren bevorzugt Lynch Unternehmen deren Eigenkapitalquote über 50% liegt, das absolute Minimum lag für ihn bei 20%. Dazu kommt noch, dass das Unternehmen als Turnarounds nicht allzu hohe Pensionsrückstellungen haben dürfen.

Wichtig ist ihm auch, dass ein Unternehmen einen hohen Cash Flow und reichlich Gewinne erzielt. Dabei dürfen die Lagerbestände allerdings nicht überdimensional stark ansteigen. In dem Artikel über die wichtigsten Value Investing Kennzahlen kannst du mehr über diesen Bereich erfahren.

Veröffentlichungen

Peter Lynch hat insgesamt drei Bücher zum Thema Geldanlage verfasst. Sein bekanntestes und erstes war „Der Börse einen Schritt voraus„, darauf folgte „Aktien für Alle“ und sein letztes Buch „Der Weg zum Börsenerfolg„.

Besonders sein erstes Buch ist sehr für Anfänger zu empfehlen, da es sehr einfach geschrieben ist und alle wichtigen Kriterien abdeckt, die für das investieren wichtig sind.