10 Value Investing Kennzahlen, die du kennen musst!

Die 10 wichtigsten Value Investing Kennzahlen, die du als Investor kennen solltest, werden dir in diesem Artikel ausführlich erklärt und beschrieben.

Diese 10 Value Investing Kennzahlen musst du kennen

Die Strategie im Value Investing besteht darin unterbewertete Unternehmen zu kaufen und diese später teurer weiterzuverkaufen. Um herauszufinden, ob ein Unternehmen gut läuft und günstig bewertet ist, gibt es viele Möglichkeiten. Eine davon ist das Kennzahlensystem, welches dir in diesem Artikel vorgestellt wird. Es konzentriert sich auf alle wesentlichen Ertrags-, Bilanz- und Bewertungskennzahlen, die du kennen solltest, wenn du erfolgreich investieren möchtest.

(1)   Umsatzwachstum
(2)   EBIT-Marge
(3)   Nettomarge
(4)   Free-Cash-Flow-Marge
(5)   ROE
(6)   ROCE
(7)   Current Ratio
(8)   Eigenkapitalquote
(9)   KGV & EV/EBIT
(10) Der innere Wert

Value Investing Kennzahlen aus der Gewinn- und Verlustrechnung

Die ersten vier wichtigen Kennzahlen, die du kennen solltest, stammen alle aus der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV). Dazu zählt zum einen das Umsatzwachstum, sowie die EBIT-, Netto- und die Free-Cash-Flow-Marge. Alle drei Margen sind sich vom Konzept her sehr ähnlich und einfach zu verstehen. Zur Berechnung all dieser Value Investing Kennzahlen benötigst du lediglich die GuV aus dem Geschäftsbericht eines Unternehmens.

(1) Umsatzwachstum - CAGR

Würdest du gerne ein Unternehmen besitzen, in dem die Umsätze bereits seit Jahren rückläufig sind? Sicherlich nicht! Deswegen ist das Umsatzwachstum eine wichtige Größe in der Fundamentalanalyse. Es zeigt dir wie sich die Umsätze eines Unternehmens über die letzten Jahre hin entwickelt haben. Am besten schaust du dir das Umsatzwachstum immer für einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren an, da es in kurzen Zeiträumen oft starke Schwankungen gibt.

Value Investing Kennzahl CAGR Formel

Bei einem Umsatzwachstum von um die 2%, wächst das Unternehmen nur noch mit der Inflation und hat fast kein reales Wachstum mehr. Liegt das Wachstum zwischen 2% und 6%, kannst du das Wachstum als moderat bezeichnen. Bei einem Wert von über 6% handelt es sich bei deinem Unternehmen bereits um einen Wachstumswert. (Diese Kriterien sind allerdings nur meine Einordnung und nirgends klar definiert).

Das Wachstum kann man selbstverständlich auch Anhand des Gewinns oder EBITs (Gewinn vor Steuern und Zinsen) berechnen. Allerdings können diese Größen einfacher manipuliert werden als der Umsatz. Noch besser wäre es sogar, wenn du nur auf die Anzahl der verkauften Produkte schaust. So beurteilt Warren Buffet beispielsweise das Wachstum bei See’s Candies nur anhand der verkauften Schokolade pro Kilogramm.

(2) EBIT-Marge

EBIT, Netto und Free-Cash-Flow-Marge werden alle auf dem gleichen Weg berechnet. Du nimmst einfach das EBIT, den Gewinn oder den Free-Cash-Flow und teilst diesen Wert durch den Umsatz des Unternehmens. Margen zeigen dir wie viel vom Umsatz nach entsprechenden Kosten im Unternehmen übrig bleibt und wie viel dem entsprechend in deine Tasche fließt.

Speziell zeigt dir die EBIT-Marge (oder die Operative-Marge), wie viel Prozent des Umsatzes nach allen operativen Kosten im Unternehmen übrigbleiben. Anhand dieser Zahl kannst du beurteilen, wie gut das Management seine Aufgabe in den letzten Jahren gemacht hat. Spart das Management nämlich unnötige Kosten ein, steigt die EBIT-Marge und das Unternehmen erzielt ein besseres operatives Ergebnis. Bei einem Unternehmen mit hoher Ertragskraft kannst du in der Regel mit einer EBIT-Marge von über 14% rechnen. Von Unternehmen mit einer geringen EBIT-Marge unter 5% solltest du dagegen die Finger lassen.

Aber Vorsicht! Gelegentlich sparen Manager auch an wichtigen Ausgaben für Unternehmen wie zum Beispiel am Marketing oder wichtigen Investitionen. Dies kann dann kurzfristig die EBIT-Marge steigern, führt aber langfristig zu schlechteren Ergebnissen.

(3) Nettomarge

Die Nettomarge ist der Quotient aus dem Unternehmensgewinn und dem Unternehmensumsatz. Wenn ein Unternehmen also 100 EUR Gewinn aus 800 EUR Umsatz erzielt, liegt die Nettomarge bei 12,5%. Eine höhere Nettomarge ist demnach immer besser für ein Unternehmen.

Im Vergleich zur EBIT-Marge werden bei der Nettomarge zusätzlich die Steuern und Zinsen berücksichtigt. Deshalb kann das Management die Nettomarge nur durch geringere Zinszahlungen oder vielleicht entsprechende Steuermodelle verbessern. Bei der Nettomarge ist es genauso wie bei allen Margen, umso höher umso besser.

(4) Free-Cash-Flow Marge

Die Free-Cash-Flow-Marge sagt dir wie gut oder schlecht die Konversion von Umsatz zu Cash im Unternehmen ist. Auch diese Kennzahl sollte möglichst hoch sein. Sie ist vor allem deswegen relevant, da die Gewinne eines Unternehmens durch Bilanztricks geschönt werden können. Der Free Cash Flow eines Unternehmens ist dagegen nur schwer zu manipulieren. Er ist definiert als die Summe an freien Mittel in einer Periode, die das Unternehmen nach allen Ausgaben noch zur Verfügung hat.

Da der Free-Cash-Flow nicht so leicht zu manipulieren ist wie der Gewinn eines Unternehmens, solltest du bei einer Fundamentalanalyse immer das Cash-Flow-Statement mit analysieren. Im Extremfall können Unternehmen nämlich sogar Gewinne erwirtschaften, ohne dass Sie je einen Cent erhalten haben.

Value Investing Kennzahlen aus der Bilanz

Nachdem du jetzt mit den wichtigsten Value Investing Kennzahlen aus der GuV vertraut bist, erfährst du im folgenden Absatz, welche Bilanzkennzahlen dir bei der Fundamentalanalyse helfen. Dabei lernst du mehr über die Ertragskennzahlen ROE und ROCE, das Current Ratio zu Beurteilung der Liquidität und die Eigenkapitalquote. Die Werte zur Berechnung dieser Kennzahlen findest du alle in der Bilanz und der GuV.

(5) Eigenkapitalrendite - ROE

Die Eigenkapitalrendite (Return on Equity) stellt die unternehmensinterne Verzinsung des Eigenkapitals dar. Sie berechnet sich aus dem Unternehmensgewinn geteilt durch das Eigenkapital. Dieser Wert sollte mindestens so hoch sein wie die durchschnittliche Verzinsung auf dem Kapitalmarkt, die in der Regel bei um die 8% liegt.

Nachteilig an der Eigenkapitalrendite ist, dass diese besonders Unternehmen mit einem großen Anteil an Fremdkapitalanteil bevorzugt. Das liegt daran, dass Unternehmen sowohl auf das Eigen- als auch das Fremdkapital eine Rendite erwirtschaften. Solange die Rendite auf das Fremdkapital allerdings über den Zinsen liegt, fließt diese allein den Anteilseignern des Unternehmens zu.


Die Eigenkapitalrendite ist keine schlechte Wahl, wenn du Unternehmen mit geringer Verschuldung oder geringem Kapitalbedarf miteinander vergleichst. Ist das aber nicht der Fall, ist eher das ROCE zu empfehlen.

(6) Return on Capital Employed - ROCE

Für das Return on Capital Employed gibt es leider keine offizielle deutsche Übersetzung, man könnte es aber frei als die Rendite auf das gebundene Kapital übersetzten. Der Vorteil am ROCE ist, dass es im Gegensatz zur Eigenkapitalrendite das gesamte gebundene Kapital berücksichtigt, dadurch sind Firmen mit einem hohen Anteil an Fremdkapital nicht bevorzugt. Ein weiterer Unterschied zur Eigenkapitalrendite ist zudem, dass nicht der Gewinn des Unternehmens, sondern das EBIT im Zähler steht.

Value Investing Kennzahl Formel ROCE

Joel Greenblat benutzt diese Kennzahl zusammen mit dem EV/EBIT in seiner Magischen Formel.

(7) Current Ratio

Das Current Ratio zeigt dir wie liquide ein Unternehmen ist und wird berechnet indem du das Umlaufvermögen durch die kurzfristigen Schulden dividierst. Das Ergebnis sollte im Idealfall über eins liegen, was bedeutet, dass die kurzfristigen Schulden eines Unternehmens durch die kurzfristigen Vermögenswerte gedeckt sind.

Formel für das Current-Ratio zur Bilanzanalyse im Value Investing

Denke dir jetzt aber bitte nicht, „toll also ist alles wie immer und diese Zahl sollte so hoch wie möglich sein!“, denn ein Current Ratio über drei kann darauf hinweisen, dass ein Unternehmen die kurzfristigen Vermögenswerte nicht effizient einsetzt.

(8) Eigenkapitalquote

Im Value Investing steht besonders das Vermeiden von Risiken im Vordergrund, weshalb die meisten Value InvestorenFirmen mit hoher Verschuldung meiden.

Das ganze kannst du dir sehr einfach begreiflich machen, indem du dir die Frage stellst, wem du eher Geld leihen würdest. (a) Einem Bekannten, der sich nie etwas leihen muss und wenn doch, das Geld immer sofort zurückzahlt, oder (b) einem Bekannten, der bei all deinen Freunden verschuldet ist. Die Antwort liegt sicherlich auf der Hand.

Firmen die überschuldet sind haben oft weitreichendere Probleme in ihrem Geschäft. Wie zum Beispiel ein schlechtes Controlling oder eine schlechte Buchführung. Andernfalls wäre es in vielen Fällen ja nie so weit gekommen. Dazu solltest du wissen, dass der Verschuldungsgrad eines Unternehmens wie ein Hebel wirkt. So kann ein gutes Betriebsergebnis mit viel Fremdkapital sehr gut werden, ein Schlechtes aber auch katastrophal.
Als Maß sollten dein Unternehmen daher nie eine Eigenkapitalquote von unter 50% haben, damit unvorhergesehene Probleme mit dem Eigenkapital abgefangen werden können. Um die Eigenkapitalquote zu berechnen, musst du daher lediglich das Eigenkapital durch die Bilanzsumme teilen.

Value Investing Kenzahlen zur Bewertung

Nachdem du die vorherigen Kennzahlen bei einem Unternehmen alle geprüft hast, kannst du sicherlich beurteilen, ob es in dem Unternehmen gut läuft. Sollte das der Fall sein, kannst du darüber nachdenken selbst in das Unternehmen zu investieren. Dafür ist es wichtig, dass du die entsprechenden Aktien zu einem fairen Preis, am besten mit einer großen Sicherheitsmarge, kaufen kannst. Um dies zur beurteilen helfen dir die folgenden Bewertungskennzahlen weiter.

(9) KGV & EV/EBIT

Die Value Investing Kennzahlen KGV (PE_Ratio) und EV/EBIT können dir ein Bild über die Bewertung eines Unternehmens vermitteln.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zeigt dir, wie teuer ein Unternehmen auf Basis der erzielten Gewinne ist. Um das KGV zu berechnen, musst du daher den Preis pro Aktie durch den Gewinn pro Aktie teilen. So kommst du bei einer Aktie mit einem Gewinn von 2 EUR und einem Kurs von 16 EUR auf ein KGV von 8. Als günstig kann ein Unternehmen in der Regel ab einem KGV von unter 14 angesehen werden.

Das EV/EBIT hat gegenüber dem KGV den Vorteil, dass es verschuldete Unternehmen nicht bevorzugt. Grund dafür ist, dass der Enterprise Value (EV) das gesamte Kapital eines Unternehmens, bestehende aus Eigen- und Fremdkapital, abbildet. Die Berechnung erfolgt, indem der Enterprise Value durch den operativen Ertrag (EBIT) geteilt wird.

Im Zweifelsfall solltest du bei einem Vergleich zwischen Unternehmen immer beide Multiples heranziehen. Das EV/EBIT hat zwar den Vorteil, dass es die Schulden eines Unternehmens mit berücksichtigt, lässt dafür aber auch die Steuern und Zinszahlungen außer acht.
Komme beide Multiplikatoren zum gleichen Ergebnis, kannst du klar feststellen welche Aktie günstiger bewertet ist. Kommen beide Multiplikatoren aber zu anderen Ergebnissen, musst du selbst abwägen, was für dich die bessere Investitionsentscheidung ist.

(10) Der innere Wert einer Aktie

Den fairen oder inneren Wert einer Aktie kannst du ebenso als Kaufkriterium für eine Aktie heranziehen, wie die Bewertungskennzahlen KGV und EV/EBIT. Dafür muss der innere Wert mit einer ausreichenden Sicherheitsmarge, über dem gehandelten Kurs der Aktie liegen.

Der große Vorteil am intrinsischen Wert gegenüber dem KGV oder EV/EBIT besteht darin, dass er mehrere wichtige Kriterien, wie das Wachstum, die künftigen Cash Flows und das Kapitalmarktrisiko, mit einbezieht. Daraus resultiert aber auch, dass er sehr anfällig für Fehler ist.

Fazit

Mit all den Value Investing Kennzahlen aus diesem Artikel, kannst du dir sehr schnell einen guten Überblick über die Lage eines Unternehmens verschaffen. Dabei wirst du feststellen, dass es viele mittelmäßige Unternehmen gibt, einige schlechte und wirklich wenige sehr gute.

Beachte, dass die oben beschriebenen Kennzahlen, allerdings nicht als Ersatz für eine umfangreiche Fundamentalanalyse geeignet sind, da es bei vielen Firmen am Ende auf die kleinen Details ankommt.

Viele der Kennzahlen musst du nicht einmal selbst berechnen, da du sie auf unterschiedlichen Seiten, wie yahoo.finance oder finanzen.net finden kannst. Nimm dieser Zahlen aber nur, um dir einen Überblick zu verschaffen. Oft weichen diese Kennzahlen nämlich von denen im Geschäftsbericht ab, da sie anders berechnet werden. So kann dir zum Beispiel beim KGV das Trailing P/E, das Forward P/E oder das Current P/E angezeigt (die Bedeutung dieser Kennzahlen ist hierbei nicht relevant) werden und diese können sich alle sehr stark voneinander unterscheiden.

Welche Quellen nutzt du für deine Value Investing Kennzahlen und würdest du noch bestimmte Zahlen ergänzen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.